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Warum Kinderyoga?

Warum Kinderyoga?

Yoga für Kinder. Das auch noch. Braucht man das? Und wenn ja, wofür? Was bringt das denn? Nun ja, diese Frage(n) muss sich sicherlich jeder Erziehende selbst beantworten. Als kleine Hilfestellung einfach mal ein paar Denkanstöße...

 

Die Wissenschaft belegt's

Dem Zeitgeist entsprechend gibt es natürlich mittlerweile unzählige Studien, welche die Wirksamkeit von Yoga im Allgemeinen aber auch von Kinderyoga im Speziellen belegen. Während meiner Ausbildung kam ich unter anderem in Kontakt mit der Arbeit von Dr. Marcus Stück, der im Rahmen seiner Diplomarbeit die Auswirkungen in allen Facetten beleuchtet hat. Sicherlich sehr bemerkenswert, interessant und auch wichtig als Beleg und Daseinsberechtigung für diese besondere Art der "Kinderbeschäftigung". Doch neben der Empirie und den harten Fakten lohnt sich der Blick aus mehreren Perspektiven auf das Thema Kinderyoga.

 

Beginnen wir mit unserem Lieblingsthema:

 

Stress

Selbst unsere Kinder haben Stress. Warum haben Sie Stress? Was ist Stress überhaupt und wie kommt es dazu?

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Stress

 

Stress kann jedoch nur empfunden werden, wenn eine Überforderung besteht. Was also für den einen noch völlig entspannt zu bewältigen ist, ist für den anderen bereits der pure Stress. Menschen sind Gott sei Dank verschieden und so auch ihr Umgang mit den diversen Reizen, die auf uns Tag für Tag einprasseln. Doch sobald wir das Gefühl haben den Anforderungen, die unser Umfeld an uns stellt nicht mehr gewachsen zu sein, passiert etwas mit uns und unserem Körper. Erst hormonell dann als Folge daraus psychisch. Überforderung ist auf Dauer ermüdend und zermürbend. Er greift uns und unseren Selbstwert, unsere Leistungsfähigkeit und unser Grundzutrauen an. Das erleben viele Kinder tagtäglich. Sie sind nunmal "Opfer" der elterlichen Entscheidungen. Sie müssen nunmal in unserem System funktionieren. Ob es nun sinnvoll ist oder nicht. Ob sie dem Anspruch und Druck gewachsen sind oder nicht. Oftmals triggern die Ängste der Erwachsenen die Entscheidungen, die sie schlussendlich als richtig für ihren Nachwuchs erachten. Die Angst zu scheitern bestimmt die Laufbahn der Kinder. Selbst Grundschüler wissen schon was Harz IV ist... 

 

Digitalisierung

Am Liebsten würde ich die Moralkeule auspacken. Aber verschrecken möchte ich ja auch niemanden. Also. Wo fange ich an, wo höre ich auf? Aufgrund des Reizpotenzials dieses Themas fasse ich mich kurz. Kinder brauchen echte Menschen, echte Gespräche, echte Erlebnisse und echte Freunde. So spannend und faszinierend die digitale Welt sich präsentiert - so gefährlich ist sie für die Entwicklung unserer Kinder. Die ersten verheerenden Folgen des mittlerweile in meinen Augen völlig ausufernden Medienkonsums können wir schon sehen. Aber dazu mache ich sicherlich mal einen Themen-Workshop, oder Infoabend oder lasse mir was anderen schönes einfallen. Langer Rede kurzer Sinn: Kinder brauchen kein Smartphone und keinen Fernseher. Sie brauchen uns und andere Kinder! Und nein, es haben nicht alle!

 

Bewegungsmangel

Vom Auto in die Klasse und zurück. Vielleicht noch ein paar Treppen zurückgelegt und ein paar Meter im Haus oder in der Wohnung zwischen Kühlschrank und Couch flanieren. Damit hat es sich mit dem Bewegungspensum eines durchschnittlichen Grundschülers wahrscheinlich. Ich habe gerade in einem Bericht gelesen, dass der natürliche Bewegungsradius von schwedischen Kindern in den 1920er Jahren durchschnittlich bei 6,5 Kilometern pro Tag lag. Der heutige Durchschnitt liegt bei rund 100 Metern (im Jahr 2000 - dank Helikoptereltern und GPS wahrscheinlich heute noch niedriger). 100 Meter! Die kann ich ja quasi spucken. Nun mag das gemeine schwedische Kind vielleicht per se einen größeren Aktionsradius allein aufgrund der weniger dichten Besiedlung in Pipi's Heimatland zur Verfügung haben, doch bleiben wir mal auf dem Boden der Tatsachen. 100 Meter. Wie geht das? Gründe könnten wir auch hier wieder endlos aufführen, von der Enge der Stadt über die Übermotorisierung und die damit verbundenen Gefahren bis hin zur Kriminalitätsrate. Am Ende des Tages bewegen wir uns alle zu wenig. 

 

Denaturierung

So möchte ich es mal nennen, was ich als Abhandenkommen des Natursinns bezeichnen möchte. Kinder gehören an die Luft. Raus, in die Natur, ohne ständige Kontrolle und Bemutterung. Das schult die Wahrnehmung, das öffnet den Geist, das beruhigt und tut einfach gut.

 

An dieser Stelle ein Hinweis zu einem interessante Artikel, die der geschätzte Günter Steppich, seines Zeichens Medienbeauftragter der Stadt Wiesbaden und des Rheingau Taunuskreises, dieser Tage in einem bekannten sozialen Netzwerk teilte: http://www.huffingtonpost.de/olaf-schaefer/wo-sind-die-gluecklichen-kinder-verschwinden-der-kindheit_b_16482176.html?utm_hp_ref=germany&ncid=netmomsfb

 

 Sicherlich ist das in unseren Städten nur begrenzt möglich, und das ist genau Teil des Problems. Ob man Stadtparks nun als kinderfreundlich bezeichnen möchte, lasse ich jetzt mal unbewertet. In meiner Stadt, Wiesbaden, ist das noch der Fall und es gibt zahlreiche Möglichkeiten in den Genuss von Grün und Natur zu kommen. Wird es einem aber nicht beigebracht, erfolgt ebendiese Wertschätzung für unsere Umwelt und die Schutzwürdigkeit derselben eben nicht. Warum sollten man etwas suchen, was man gar nicht kennt? Wie soll man etwas erfahren, erleben, wenn einem die Möglichkeit dazu fehlt? Mein Appell an alle Eltern: Geht raus mit Euren Kindern, so oft und so viel wie möglich. Oder am Besten noch: lasst sie gemeinsam raus gehen. Man muss dazu ein kein "Programm" aufziehen und die nächsten Schnitzeljagd mit Schatz planen. Ein "Sinne-Spaziergang" kann schon ein ganz besonderes Erlebnis sein. Einfach mal nur hören. Nicht sprechen. Nicht bewerten. Nur wahrnehmen. Das macht was mit einem. Versprochen!

 

Schule

Jaaaa, das Beste oder in diesem Fall den dicksten Happen gibt's zum Schluss. Nun, auch hier ließe sich ausufernd das Für und Wider des heutigen Schulsystems beleuchten und nach Gründen und Schuldigen Ausschau halten. Auch hierzu werde ich mich sicherlich bei anderer Gelegenheit mal ausführlicher äußern. In meinem heutigen Kontext möchte ich es aber wieder relativ einfach runter brechen. Schule ist wichtig - ob sie nun so wie sie sich heute darstellt richtig ist, ist eine andere Frage. Sie ist aber ein wesentlicher Teil unseres Systems.

 

Wir gehen also mal davon aus, dass wir unsere Kinder "ganz normal" im schulischen System integriert wissen möchten mit dem Ziel irgendwann mit einem Abschluss aus derselbigen herauszutreten und bereit zu sein für die Welt, die dann auf sie wartet. 

 

Dann brauchen unsere Kinder vor allen Dingen eines: ein gefestigtes Wesen, Zutrauen, Durchhaltevermögen, innere und äußere Balance und Konzentrationsfähigkeit. Um sowohl dem ganzen Wissens-Input gewachsen zu sein, der da tagtäglich auf sie einprasselt. Aber auch dem Wahnsinn auf dem Schulhof. Den Einflüssen und Eindrücken, die sie teilweise einfach überfordern. Wir sollten sie stark machen für all das, was sie tagtäglich erleben (müssen), für die Anforderungen die an sie gestellt werden, für die Herausforderungen, denen sie sich selbst stellen (müssen oder wollen). 

 

Stark machen und Halt geben, Zutrauen schenken und bestärken, Sicherheit und Ruhe vermitteln, Gelassenheit und Lebensmut. Optimismus für die Zukunft und den Sinn zu Helfen, füreinander da zu sein. Menschlichkeit leben und Vorbild sein. So sehe ich uns Eltern, uns "Erzieher" oder Begleiter unserer Kinder. 

 

Die Anforderungen an die Kids sind hoch. Ob nun systemisch oder persönlich. Auch wenn der Umgang damit in jedem Elternhaus ein anderer ist. Unter'm Strich leben wir in einer Leistungsgesellschaft, es wird verglichen, man hat zu funktionieren, die Taktung ist hoch, in der Schule und in der Freizeit, im Privatleben.

 

Und es schließt sich der Kreis

Und genau da setzt Kinderyoga an. Nicht als weiteres Tool für weitere Effizienzsteigerung in Schule und oder Erziehung. Im Sinne von: "Ah ja, ich habe gehört, dadurch werden die Kinder ruhiger und können sich besser konzentrieren. Das wäre für meinen ... genau das Richtige". Natürlich hat Yoga viele positive Effekte, die sich auch im schulischen und im Alltag bemerkbar machen. In erster Linie ist es aber eine Insel. Eine Insel der Ruhe, des Rückzugs, des Sein dürfens und angenommen werdens. Des Wahrnehmens und des Fühlens. So wie man ist. Sich erfahren und erspüren. Den Raum dafür haben und bekommen. Andere und sich selbst anzunehmen. Ohne Wertung, ohne Leistungsgedanken. Einfach nur sein. 

 

Kinder sollten spielen. Bei jeder Gelegenheit. Sie lernen im Spiel und durch's Erleben. Wir geben ihnen dazu nur viel zu wenig Raum. Ich möchte keinen Yoga-Unterricht machen, der einen Zweck verfolgt. Am besten noch mit Leistungsziel. Ich verfolge ein höhres "Ziel" - auch wenn mich einige dafür belächeln werden. Ich möchte die Welt zu einem besseren Ort machen. Ich möchte den Kindern etwas mitgeben, für sie da sein, ihnen von meinem Optimismus ein Stückchen weitergeben, sie Inspirieren und Ihnen etwas schenken, das sie in der heutigen Zeit viel  zu wenig bekommen.

 

Darum Kinderyoga!

 

Von Herzen!

 

SLY

 

 

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